Bücher der Kindheit: Die Abenteuer von Mog, dem verflixten Kater

Es ist ja schon ewig her, als ich das letzte Mal diese Kategorie mit einem Beitrag gefüttert habe. Sicherlich gehören die TKKG-Bücher auch mehr oder weniger zu den Büchern meiner Kindheit, doch bei ihrer schieren Menge sind sie letztendlich eher eine ganz eigene Art geworden. Irgendwann werden auch die weiter geführt, aber zunächst möchte ich mich einem anderen Buch, das ich in meiner Kindheit öfters gelesen habe, widmen und das hat ausgerechnet ein von mir ungeliebtes Haustier als Protagonisten.

Jepp, ich bin ein ganz klassischer Hauskatzenverabscheuer und kann nicht mal in die Nähe der Viecher gelangen, ohne mich unwohl zu fühlen. Im Laufe meines Lebens traf ich jedoch auf einige Ausnahmen aus fiktionalen Werken, bei denen das nicht zutrifft: Mauzi – wenn auch nur zu gewissen Teilen -, Eneco und Enekoro aus Pokémon, Krummbein von Harry Potter, die Aristocats und schließlich auch Mog, welcher von der Autorin Judith Kerr in den Siebzigern ins Leben gerufen wurde.

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Wie ich bei der Recherche für das Buch überrascht feststellen durfte, erfreuen sich die in mehreren Bänden gefassten Geschichten um die Flohfalle großer Beliebtheit im Vereinigten Königreich und besitzen auch in Deutschland in einen gewissen Kultstatus, der alte Auflagen verhältnismäßig teuer macht. Mein Sammelband von 1993, der die ersten drei Geschichten beinhaltet, kommt dabei gebraucht nicht unter dreißig Euro weg.  Dass ich den Sammelband jahrelang für das einzige – und eher unbekannte – Werk hielt und sonst auch nie Erwähnungen von anderen gehört habe, ist schon ein wenig verwunderlich.

Unabhängig davon behandeln alle Geschichten die Erlebnisse von Kater – im Original Katze – Mog, der bei der Familie Thomas Zuhause ist. Neben dem Ehepaar Thomas wohnen auch ihre Kinder Nicky und Debbie dort, die einen besonderen Narren an ihrem Kater gefressen haben.

Obwohl er sich generell ziemlich wohl bei dieser Familie fühlt, verursacht er jede Menge Ärger und wie echte Katzen auch, ist er nicht gerade die hellste Leuchte und vergisst ständig etwas. So auch in der ersten Geschichte „Mog, der vergeßliche Kater“, in der er durch beschränkte Weitsicht mehr Schaden als Nutzen verursacht.

So vergisst er häufig die Existenz der Katzenklappe und muss ständig über die ruinierten Geranien im Blumenkasten durch das Küchenfenster wieder herein gelassen werden, was speziell das Ehepaar verärgert. Die Kinder verteidigen das Toxoplasmosebällchen jedoch vehement – selbst wenn sie selbst vom verursachten Schaden betroffen sind.

Das ändert sich jedoch kurzzeitig, als Mog nach jeder Menge Unfug schließlich Debbie verschreckt und dieser sich versteckend im Garten in jeder Menge Selbstmitleid wälzt, bis er durch ein plötzlich erscheinendes Licht in der Küche seine Gedanken vergisst und durch das Fenster wieder herein gelassen werden möchte. Wie sich dann aber herausstellt, stammte das Licht von der Taschenlampe eines Einbrechers, der sich erschreckt und seine Beute laut scheppernd fallen lässt, wodurch die Familie geweckt wird. Die gerufene Polizei bedankt sich bei Mog und dieser erhält eine Medaille und ein Ei als Belohnung.

Dieses kriegt er übrigens immer am Ende der Geschichte. So auch bei der zweiten Geschichte „Mog und das Baby“, in der er zufällig aus Eigennutz auch das Nachbarsbaby vor einem Autounfall bewahrt, das er zuvor erst in Gefahr gebracht hatte. In „Mog feiert Weihnachten“ erhält er es hingegen als Weihnachtsgeschenk, nachdem er sich wegen des ganzen Krachs vor Weihnachten auf dem Dach verkrochen hatte und von der ganzen Familie vermisst wurde.

Anhand meiner persönlichen Abneigung gegen die Vögelausrotter und Ökosystemzerstörer, die manchmal durch meine Formulierungen scheint, stellt sich einem natürlich die Frage, wieso es bei Mog anders ist. Nun, neben einer Reihe an nostalgischen Gründen liegt das auch an dem Umgang mit dem Haustier. Natürlich freue ich mich, wenn sich Haustiere und ihre Besitzer gut verstehen und ihnen das Wohl ihrer Lieblinge am Herzen liegen, doch die Vermenschlichung durch ihre Besitzer – auch von Hundebesitzern, aber speziell die von Katzen – finde ich ziemlich abstoßend. Die Autorin hat Mog zwar auch einige menschliche Züge gegeben, aber es hält sich in Grenzen, wodurch die Darstellung des Katers halbwegs authentisch erscheint. Ebenso verhält es sich mit der Familie Thomas, die ihren Kater zwar liebt, aber niemals auf die Idee kommen würden, Mog abzuknutschen, das Wohl des Katers über ihr eigenes zu stellen oder ihn als ihr Kind bezeichnen zu wollen.

Ebenso mag ich die eines dummen Katers, was wohl ein wenig meiner Genugtuung zuspielt, aber ebenso damit zu tun hat, dass Mogs Aktionen und sein einhergehendes Wesen sympathischer erscheinen. Häufig stellt Fiktion Katzen als ziemlich schlaue, intrigante und missgünstige Tiere dar, die trotz ihrer Eigenschaften abgöttisch geliebt werden und da tut Mog, der allein durch seine leicht eigennützige Beschränktheit Unfug anstellt (und nicht mehr), als Gegenbeispiel einfach nur gut.

Ein weiterer Grund, wieso ich diesen Sammelband schätze, sind die Illustrationen und ihr einhergehender Humor. Die Betonung von Frau Thomas in der zweiten Geschichte, Mog könne besonders gut mit Babys umgehen und dabei Mogs entgeisterte Miene beim Anblick des Babys zu sehen, ließ mir doch einen Schmunzler entlocken. Oder dass bei der Befragung durch die Polizei in der ersten Geschichte alle menschlichen Beteiligten in Ruhe Tee trinken – inklusive gefassten Einbrecher – hat mir auch ziemlich gut gefallen.

Aber selbst wenn Humor keine vordergründige Rolle spielt, finde ich großen Gefallen an den Illustrationen. Die dritte Geschichte mit ihrer Weihnachtsthematik sticht da natürlich besonders hervor, aber auch kleinere Details beispielsweise bei der Mimik und Gestik von Mogs Gesicht sind ziemlich gut geraten. Man merkt ihnen natürlich ein wenig das Alter an; dennoch wurden alle Umgebungen relativ zeitlos gehalten, so dass man kaum das Setting in den Siebzigern bemerkt.

FAZIT

Mog wird immer eines der wenigen Katzen in der Fiktion bleiben, die ich gut leiden kann, was nicht zuletzt an der leicht unterbelichteten, aber charmanten Natur des Katers liegt, die sich auch wunderbar in den Illustrationen zeigt. Der Sammelband um Mog und die Familie Thomas mag dadurch allein jetzt nicht mein absoluter Lieblingsbuch aus der Kindheit sein, aber angesichts meiner Abscheu vor Katzen ist es schon ein starkes Stück, dass ich dieses Buch um einen Kater mögen kann.

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