Lego City Undercover: The Chase Begins

Meine Erfahrung mit dem dänischen Fußverkrüppelungshersteller lassen sich auf relativ wenige Sätze zusammenfassen, denn abseits von Bionicle habe ich mich eher mäßig für das kantige Spielzeug interessiert. Mein Steckenpferd war dann doch das – in meinen Augen – hübschere, elegantere Playmobil und das hat sich bis heute nicht verändert, da ich gelegentlich gerne durch die Kinderspielzeugabteilung an Playmobilregalen vorbei schlendere und mich frage, wie es wäre, wieder die Begeisterung eines Kindes zu haben.

Ganz davon ab kann ich allerdings schon sehr gut nachvollziehen, warum Lego die Nase vorne hat, denn neben dem besseren Marketing und der größeren Setzung auf lizenzierte, bekannte Marken besitzt Lego durch seine universell gehaltenen Steine ein größeres Kreativitätspotenzial. So könnte man wahrscheinlich mit genügend Steinen einen fünfköpfigen, Tee servierenden Oktopus bauen, wenn man es wirklich wollte.

Das lässt sich allerdings nur relativ schwer auf Videospiele übertragen, weshalb die Lego-Spiele häufig ein lineares Geschehen ohne große Abwege darstellen. Ich kenne längst nicht alle Vertreter, doch ich würde spontan behaupten, dass Lego City Undercover mit seiner halbwegs offenen Spielwelt das einzige Gegenbeispiel sein sollte. Nun, das und sein 2013 für den Nintendo 3DS erschienenes Prequel Lego City Undercover: The Chase Begins. In Anbetracht des gewählten Genres stellt sich folgende Frage: Kann ein Open World-Spiel auf dem Nintendo 3DS funktionieren?

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Ich kann es bejahen, muss allerdings diese Aussage wie ein Ninja mit einem riesigen Stern bewerfen, denn bei Spielen ist es nicht nur wichtig, ob etwas funktioniert, sondern auch wie gut es sich letztendlich macht und wenn ich ehrlich sein darf, fällt das Prequel dabei ordentlich auf die Nase.

Nun habe ich nicht eine hundertprozentige Umsetzung des Vorgängers für einen schwächeren Handheld erwartet und ich kann auch relativ gut damit leben, dass die Stadt drei Jahre vor der WiiU/Switch/PS4/Xbox One- und Taschenrechner-Version fast wie ausgestorben wirkt und dauerhaft mit Nebel zu kämpfen hat, doch selbst mit diesen Zugeständnissen habe ich mir doch mehr Persönlichkeit und Interaktion mit der Stadt, seinen Personen und den Orten erhofft.

Zum Beispiel ist nur ein kleiner Teil der Stadt betretbar und selbst die vorhandenen Gebiete sind nun von Ladebildschirmen voneinander getrennt, was die Illusion einer lebendigen Stadt zerstört. Gut, ich möchte nicht noch einmal die grässlichen Ladezeiten des Vorgängers erleben und ich verstehe ja den Grund, wieso die einzelnen Viertel abgetrennt wurden, aber dennoch treten in aller Regelmäßigkeit technische Probleme wie Slowdowns auf  und was die Ladezeiten betrifft, sind diese zwar kürzer, jedoch immer noch auffällig lang, weshalb da nicht viel gewonnen wurde.

Die Probleme mit der Spielwelt enden aber nicht nur bei den technischen Aspekten, denn das Spiel hat insgesamt ein gehöriges Umfangsproblem, was sich eben auch in der offensichtlichen Leere der Spielwelt ausdrückt. Mit Bewohnern – wenn sie denn eingeblendet werden – kann man nicht mehr wirklich interagieren und Nebenaufgaben sind sehr rar gesät, so dass man auch kaum Motivation hat, seine Umgebung genauer zu erkunden.

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Aber nicht nur bei der Anzahl, sondern auch bei der Variation wurde ordentlich geschraubt und Vieles aus dem Vorgänger gestrichen. So gibt es abseits von diesen Missionen keinen einzigen Parcour mehr und die Rennen, die ziemlich unspektakulär und pupseinfach ausfallen, sind merkwürdigerweise hinter anderen Sammelobjekten versteckt von denen es im Übrigen nicht wirklich viele gibt. Selbst die Megabauten interessieren kaum noch, weil zum einen aus Performancegründen die Sequenz des Aufbaus in einer Cutscene verpackt wurde und zum anderen kaum Steine benötigen. Zusätzlich hilft es auch nicht, dass sich diese sich hauptsächlich nur noch aus Rufsäulen, Rampen und Hubschrauberlandeplätze – Flugobjekte wurden übrigens auch gestrichen und dienen nur noch zur Schnellreise – zusammensetzen, was dröger ist, als eine Dokumentation über Autos.

Aber auch sonst besitzt das Spiel Probleme mit seinem Umfang; die Haupthandlung lässt sich beispielsweise selbst für ein typisches Lego-Spiel erstaunlich schnell abschließen und in meinem Fall saß ich dann auch vor den laufenden Credits und habe mich ungläubig gefragt, ob das wirklich schon alles gewesen sei. Klar, Lego-Spiele sind allgemein keine ewigen Projekte und entgegen des generellen Konsenses muss kein Spiel besonders lang sein, aber The Chase Begins fällt vergleichsweise eher mager aus.

An der Handlung und der Präsentation dieser habe ich noch weitere Dinge auszusetzen, doch zuvor möchte ich noch mit der geänderten Missionsstruktur diesbezüglich auf eine weitere Eigenart des Spiels eingehen. Ich bin jetzt nicht der größte Experte von Lego-Spielen, da ich nicht alle gespielt habe, aber der Aufbau läuft generell so ab, dass der Spieler von der Oberwelt aus auf Missionen zugreift, die in eigens dafür kreierten Umgebungen stattfinden. In diesen geht es neben den regulären Zielen auch darum, alle Goodies und möglichst viele Studs, die hiesige Währung, zu finden, um ein Level zu komplettieren. Zumeist wird das erst nach Spielabschluss möglich sein, weil zusätzliche Fähigkeiten benötigt werden.

So ungefähr lief es in fast jedem Lego-Spiel ab, das ich gespielt habe und nichts davon kommt im Spiel vor. An dessen Stelle treten dann andere Spielelemente, die sich ebenfalls Missionen nennen, aber zum einen häufig auf der Oberwelt auftreten – was so teilweise im Vorgänger vorkam und vertretbar ist – und zum anderen nichts, aber auch wirklich gar nichts an richtigen Content bieten. Sie sind häufig sehr kurz, sehr linear und es gibt keine zusätzlichen Ziele oder Herausforderungen zu erfüllen; alles fühlt sich so zweckmäßig und lieblos an. Klar machen sie vielleicht trotzdem noch für fünf Minuten Spaß, doch dauerhafte Freude wollte bei mir nicht aufkommen.

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Das liegt mitunter auch an den Fähigkeiten selbst, die ebenfalls beschnitten oder so verändert wurden, dass man einiges an Variation und Interaktion verloren hat. Die Strahlenpistole des Diebs beispielsweise kommt nur noch mit Rot und Grün an und wird ausschließlich für Schalter benutzt, während der Raketenrucksack des Astronauten gleich ganz abgeschafft wurde und man ihn nur noch in Cutscenes bei speziellen Schaltflächen beobachten darf. Speziell letzteres stößt bei mir sauer auf.

Falls manche Leser nicht Lego-Spiele kennen oder meine Rezension zum Vorgänger nicht gelesen haben: Kostüme, die eben jene Fähigkeiten zumeist mit sich bringen, werden über die Kostüm-Marken während der Missionen freigeschaltet. Ab diesem Zeitpunkt ist es möglich, jederzeit zwischen diesen zu wechseln und ihre Fähigkeiten zu nutzen. Das ist wohl eines der wenigen Features, die alle Lego-Spiele gemein haben – oder zumindest die, die ich kennenlernen durfte.

Viele Spiele haben aber auch ein Kampfsystem gemeinsam und da bilden zumindest die Lego City Undercover-Spiele keine Ausnahme. Als Polizist muss Chase natürlich auch Verbrecher verhaften und da keiner freiwillig mit ihm geht, müssen sie vor ihrer Verhaftung erst einmal ausgeschaltet werden. Die Polizeigewalt gestaltet sich so, dass man die Unglücklichen entweder werfen – was nur bei schwächeren Knackis funktioniert – oder mittels einer Festhalten-Aktion auch mit Spezialtricks um ihre Lebenskraft erleichtern kann. Hat sich die Lebensleiste der Opfer komplett geleert, hat man kurz Zeit, die entsprechende Person zu verhaften, ehe sie sich wieder erholt. Rinse and repeat und schon hat man ein Kampfsystem für ein Spiel gebastelt.

Neu für The Chase Begins sind die Bosskämpfe, die sich zumeist eher wie Puzzle gestalten. Einen Kopf einer Bande muss man beispielsweise über zu reparierende Schalter entsprechend elektrisieren, um ihn überhaupt schaden zu können. Eine nette Idee, die etwas mehr Würze in das ansonsten eher lahme Kampfsystem bringt; jedoch muss ich dennoch sagen, immer noch kein Fan vom Kampfsystem zu sein und es wohl auch nie sein werde, weil es nicht unbedingt Freude bereitet und sich wie Lebenszeitverschwendung anfühlt. Lego-Spiele sind eh in anderen Kategorien stärker.

Vermutlich liegt trotz der Neuerung meine Abneigung auch daran, dass am öden Kampfsystem im Gegensatz zu anderen Aspekten nicht gespart wurde und es daher einen immensen Teil des Erlebnisses ausmacht. Obwohl das Spiel nicht lange anhielt, habe ich schon nach kurzer Zeit das Kampfsystem über gehabt und versuchte – übrigens wie im letzten Teil auch – nach Möglichkeiten, meine Gegner in den nächstbesten Abgrund zu werfen, um schneller fertig zu werden.

Apropos schnell: ich habe es schon tausendmal in dieser Rezension erwähnt, aber das Spielerlebnis ist eher mager und da bilden die Handlung und Präsentation keine Ausnahme. Prequels haben nicht selten das Problem, etwas unspektakulärer, langweiliger und für den größeren Plot irrelevant zu sein und leider bildet The Chase Begins keine Ausnahme.

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In der Theorie könnte es dennoch klappen, die ersten Erfahrungen als Polizist vom Protagonisten Chase McCain und seine erste Auseinandersetzung mit dem Verbrecher Rex Fury interessant zu gestalten – zumal häufig Anspielungen im Vorgänger dazu gemacht wurden -, doch leider tappt The Chase Begins in die für Prequels typische Falle und das Ganze plätschert eher vor sich hin. Bestes Beispiel dafür ist der Endkampf gegen Rex Fury, beim dem man diesen Umstand überhaupt nicht bemerkt hat.

Dass die Präsentation ziemlich Banane ist, hat auch wieder mit technischen Beschränkungen zu tun, denn anders als sein Vorgänger sind viele Szenen mit Synchronisation und dynamischen Kamerafahrten nicht drin, weshalb man zumeist auf Textboxen zurück gegriffen hat. Auch wenn ich das verstehen kann, unterstützt es den schlechten Eindruck eher nur, da man sich mit Textboxen und Standardposen der Lego-Figuren längst nicht so involviert fühlt, wie mit der technisch besseren, unterhaltsameren Variante. Seltener tauchen Cutscenes mit solcher Qualität noch auf und das Spiel erwacht dabei zum Leben, doch diese machen leider einen viel zu kleinen Teil des Spiels aus.

In einem Aspekt ist The Chase Begins sogar mal nicht eine Enttäuschung und kann sogar im Vergleich zum Vorgänger noch punkten und das ist die musikalische Untermalung. Wer sich noch an meine Rezension zu Lego City Undercover erinnert, sollte noch wissen, dass ich abseits von ambientischen Geräuschen und Missionen einen Soundtrack vermisst habe und genau das bietet das 3DS-Spiel, indem es mit Fahrzeugen eine Art Radio integriert hat, mit dem man automatisch Musik hört, solange man fährt. Das ist eigentlich Standard bei Open World-Spielen und es freut mich, dass die Lego-Reihe nun auch begriffen hat.

FAZIT

The Chase Begins ist als Nachfolger von Lego City Undercover eher eine Enttäuschung. Manches, wie etwa die laue Präsentation oder kleinere Spielwelt lassen sich noch mit den technischen Beschränkungen entschuldigen, während Entscheidungen wie die Beschneidung der Fähigkeiten oder Nebenmissionen schon weniger verständlich sind. Somit handelt es sich um ein maximal durchschnittliches Erlebnis, das ich weniger empfehlen würde. In der Hinsicht kann man als uninformierter Verwandter seinem Kind Schlimmeres, aber auch Besseres antun. Spielt lieber den Vorgänger, denn der war in vielen Bereichen besser und ich kann nur hoffen, dass ein etwaiger dritter Teil wieder das Niveau erreichen wird.

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